Podiumsdiskussion zum Thema wirtschaftliche Bildung an Schulen und Selbständigkeit als berufliche Perspektive

Gehört ökonomische Bildung in die Schule? Soll unternehmerisches Denken gefördert werden? Und wenn ja, in welchen Fächern? Welche Voraussetzungen muss ich als Gründer mitbringen? Wie viel Geld muss ich investieren, und wie lange dauert es, bis ich von meinen Aufträgen leben kann? Und wie bringt man überhaupt Unternehmergeist in die Schulen?

Ein Blick auf das Podium

Mit diesen Fragen beschäftigen sich jetzt etwa 180 Schüler des 11. und 12. Jahrgangs am Grashof-Gymnasium Essen bei einer Podiumsdiskussion. Auf Initiative des Bundestagsabgeordneten Matthias Hauer (CDU) erzählten u. a. zwei junge Essener Gründer von ihrem Weg in die Selbständigkeit. Jessica Knipp (33), die sich Anfang 2015 als Modedesignerin selbständig gemacht hat, lobte das Engagement der Schule: "In meiner Schulzeit wäre ich nicht genug vorbereitet gewesen, mich selbständig zu machen. Ich konnte es mir noch nicht einmal vorstellen. Heute weiß ich, dass das eine gute Möglichkeit ist, die ich den Schülern nahebringen möchte." Oliver Janscheidt, der bei der IHK Essen Gründer berät, ergänzt: "Es kann nicht die Aufgabe der Schule sein, spezielles Wissen beispielsweise für eine Steuererklärung oder die Buchhaltung zu vermitteln, wohl aber das Handwerkszeug, nämlich: Informationen kritisch zu hinterfragen oder zu wissen, wo ich Informationen finde, z. B. bei der Handwerkskammer, dem Startercenter oder bei anderen Selbständigen."

Neben einem überzeugenden Konzept, guter Vernetzung und der Bereitschaft, seine Idee zu präsentieren, ist aber auch der Glaube an sich selbst wichtig, ergänzt Marvin Brockmann (28), Gründer und Geschäftsführer der aviate Werbeagentur. "Ich konnte mir bereits als Schüler vorstellen, ein Unternehmen zu gründen. Folgt Eurem Stern! Wenn Ihr eine Idee habt, verfolgt sie und lasst Euch nicht vom Weg abbringen." Dabei dürften sich die Schüler auch nicht von Ängsten über benötigtes Kapital verunsichern lassen. Geld finde man bei Förderprogrammen der Landesregierung, Fonds oder privaten Geldgebern wie den Business Angels, so Petra Hartjes (71), selbst Mitglied der Business Angels Agentur Ruhr e. V. "Ich bin fasziniert von jungen Leuten, die mit technischem Know-how eine Idee in ein tragfähiges Konzept umsetzen – zukunftsorientiert, visionär und als Team."

Grashof-Gymnasium fördert ökonomische Bildung mit vielfältigen Angeboten

Moderatorin Nina Schulte im Gespräch mit den Essener Gründern Marvin Brockmann und Jessica Knipp sowie Oliver Janscheidt (IHK Essen) (v.l.n.r.)

Am Grashof-Gymnasium versucht man, den Schülern möglichst viele Schlüsselqualifikationen mitzugeben. So lädt Schulleiter OStD Matthias Rink schon seit Jahren zum Berufsinformationstag Ehemalige zurück an die Schule ein, die aus ihrem Werdegang berichten. Seit drei Jahren fördert man das ökonomische Wissen zudem durch das Bildungsprojekt business@school, das von Drinka Blome betreut wird. "Unternehmergeist wird in vielen Schulen kaum gefördert", sagt sie. "Die Podiumsdiskussion hilft den Jugendlichen herauszufinden, ob eine Unternehmensgründung für sie überhaupt in Frage kommt."

Die Jugendlichen waren von den Gründern auf alle Fälle fasziniert: Die in den vergangenen Unterrichtsstunden vorbereiteten Fragen blieben zumeist in den Hosentaschen stecken – zu viele neue drängende Fragen ergaben sich aus der Diskussion, freute sich Drinka Blome.

Und noch etwas gibt Anlass zur Hoffnung: Konnten sich zu Beginn der Diskussion nur zehn Schüler vorstellen, sich eventuell selbständig zu machen, waren es am Ende der Veranstaltung bereits doppelt so viele.

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